DNWE Business-Ethics-Summit 2016

Solidarität 3.0 - Fundament für gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln heute?
DNWE Jahrestagung und Mitgliederversammlung

vom 9.-10. Juni 2016 in Darmstadt

Solidarität ist eines der wichtigsten sozialethischen Prinzipien der westlichen Gesellschaft. Ausgehend vom römischen Schuldrecht, in dem die Familie für die Schulden des einzelnen Mitglieds einstehen musste, erlangte der Begriff der „Solidarität“ Ende des 18. Jahrhunderts eine weitreichendere Bedeutung in Politik, Gesellschaft und Moral. Der französische Soziologe Emile Durkheim (1858 – 1917) nannte sie den „Zement, der die Gesellschaft zusammenhält“. Sie beruht auf dem Gefühl der Zusammengehörigkeit, dem Eintreten für gemeinsame Ideale und Interessen sowie dem Bewusstsein gegenseitig aufeinander angewiesen zu sein. Ausdrucksformen sind häufig freiwillige Unterstützungsleistungen symbolischer oder materieller Art, wobei jedoch implizit erwartet wird, im umgekehrten Falle ähnliche Unterstützungsleistungen zu erhalten.

Obwohl unser Wirtschaftssystem scheinbar in erster Linie auf Wettbewerb und die Verfolgung eigener Interessen ausgerichtet ist, finden sich jedoch gerade in der sozialen Marktwirtschaft viele Elemente freiwilligen und verpflichtenden solidarischen Handelns, die Sicherheit und Stabilität gewähren. Hierzu gehören im weitesten Sinne die Einhaltung von Regeln und Normen, die weit über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen, die Beiträge zu den Sozialversicherungen, gesellschaftliches Engagement von Unternehmen und Bürgern, Zusammenschlüsse zu Gewerkschaften und Verbänden sowie Elemente starker und identitätsstiftender Unternehmenskulturen.

Ist jedoch das durch die Römer begründete und im 19. und 20. Jahrhundert weiterentwickelte Solidaritätskonzept heute noch adäquat? Sind wir nicht durch die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse der letzten Jahre im Zuge der immer stärker werdenden Individualisierung, Mobilität und Migration, digitale Entgrenzung und ökonomische Globalisierung gezwungen, ein neues, drittes Solidaritätsverständnis zu entwerfen? Sind die alten Konzepte, die auf Identität und Nähe beruhen, angesichts weltweiter Verflechtungen und Ausdifferenzierung heute noch angemessen? Welche neuen Elemente der Zivilgesellschaft können Solidarität begründen? Welche Organisationsformen solidarischen Handelns lassen sich finden und wie sind staatliches, zivilgesellschaftliches, unternehmerisches und individuelles Handeln entsprechend anzupassen?

Mit dem Business Ethics Summit 2016 wollen wir uns auf die interdisziplinär angelegte Suche nach dem neuen Solidaritätskonzept des 21. Jahrhunderts (Solidarität 3.0) machen, dessen Verankerung in der Wirtschaft und Gesellschaft diskutieren und im Dialog miteinander Hinweise für weiteres praktisches Handeln ableiten.

 

 

Tagungsprogramm

 

 

Solidarität 3.0 - Fundament für gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln heute?

 

 
Donnerstag, 9. Juni 2016

16:00-17:30

Führung durch die Galerie der Schader-Stiftung, Goethestraße 1, Darmstadt

17:30-19:00

Vorbereitungsworkshop auf den Business Ethics Summit 2017:
Wirtschaftsethik im Zeitalter der Digitalisierung

Prof. Dr. Arne Manzeschke, Evangelische Hochschule Nürnberg,
Dr. Galia Assadi, Institut Technik-
Theologie-Naturwissenschaften (TTN) an der LMU München.
Klaus Meyer, VDI Landesverband NRW, Düsseldorf
PD Dr. Gotlind Ulshöfer, Universität Tübingen 

19:15 -20:45

Öffentlicher Festvortrag:
Globale Menschenrechte und Solidarität

Prof. Dr. Dr. h.c. Angelika Nußberger, Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und Präsidentin des Senats
 
anschließend: Gespräch mit  Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau, Darmstadt, und Prof. Dr. Josef Wieland, Vorsitzender des DNWE, Berlin
Moderation: RA Dr. Rudolf Kriszeleit, ehem. Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, Stiftungsratsleitung Schader-Stiftung

im Anschluss

Empfang bei Brezel und Wein auf der Dachterrasse

 

Freitag, 10. Juni 2016

9:00-9:30 Registrierung

9:30-9:45

Begrüßung

Alexander Gemeinhardt M.A., Schader-Stiftung, Darmstadt
Prof. Dr. Josef Wieland, DNWE, Berlin
 
Moderation der Tagung: Prof. Dr. Joachim Fetzer, DNWE, Berlin

9:45-10:20

Solidarität in philosophischer Tradition

Prof. Dr. Birger Priddat, Universität Witten-Herdecke

10:20-11:00

Gemeinwohl und Solidarität

Gespräch zwischen Karin Sahr, Ernst & Young, Düsseldorf und Prof. Dr. Timo Meynhardt, Universität St. Gallen, HHL Leipzig Graduate School of Management

11:00-11:30

Pause

11:30-12:00

Solidarität als Treiber für „enkelfähige Unternehmen“?

Kristina Kara, Vorstand B.A.U.M e.V.

12:00-12:45

Solidarische Konzepte in der Globalisierung - Die weltweite Migration als Herausforderung

Gespräch zwischen Prof. Dr. Jörg Althammer, Katholische Universität Eichstätt, und
Prof Dr. Josef Wieland, Zeppelin Universität, Friedrichshafen

12:45–13:30

Mittagessen

13:30– 14:30

Break-out Sessions

A: Nur „Do no harm!“ oder mehr - was lernen wir vom Textilbündnis?
 
Dr. Jürgen Janssen, Bündnis für nachhaltige Textilien, GIZ, Berlin
Christiane Schnura, Kampagne für Saubere Kleidung, Wuppertal
Ansgar Lohmann, KiK Textilien und Non Food GmbH, Bönen
Prof. Dr. Joachim Fetzer, DNWE, Berlin (Gesprächsleitung)
 

B: Solidarität konkret umgesetzt

Beate Krüger, Joblinge e.V., München 
Maria Schaad, Merck KGaA, Darmstadt 
Dr. Elmer Lenzen, macondo Publishing GmbH, Münster (Gesprächsleitung)
 

C: Wie funktioniert das praktisch? Beispiele aus commons, sharing economy and collaboration 

Thomas Dönnebrink, Ouishare, Berlin 
Brigitte Kratzwald, Commons & Co, Graz 
Dr. Frank Simon, DNWE, Berlin (Gesprächsleitung) 

14:40–16:20

Speakers Corner: Steile Thesen und kluge Gedanken zur Zukunft der Solidarität


u. a. mit: Prof. Dr. Dr. Alexander Brink, Universität Bayreuth, Prof. Dr. Johannes Brinkmann, Norwegian Business School, Prof. Dr. Dominik Enste, Institut der Deutschen Wirtschaft, Prof. Dr. Bernward Gesang, Universität Mannheim, Prof. Dr. Johannes Hirata, Hochschule Osnabrück, Dr. Andreas Mayert, Sozialwissenschaftliches Institut der EKD, Hannover, Jennifer Nicolay, sneep e. V, Prof. Dr. René Schmidpeter, Cologne Business School, Peter Hertweck, BWS Consutants, Iffezheim, Adrian Wilhelm, The Changer, Berlin 

16:20–16:40

Heiteres zum Abschied:

Alex Dreppec und Gäste, Science Slam, Darmstadt

16:40–16:50

Schlusswort

Prof. Dr. Josef Wieland, DNWE, Berlin

17:00-18:00

DNWE Mitgliederversammlung

Zur Mitgliederversammlung des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik - EBEN Deutschland e.V. erfolgt eine besondere Einladung.

 

 
Das vollständige Programm der Veranstaltung hier zum Download.

(a) = angefragt

Tagungsort

Schader-Forum
Goethestr. 2
64285 Darmstadt

Übernachtung

Falls eine Übernachtung nötig ist, gibt es in Darmstadt Angebote in verschiedenen Preiskategorien. Hier finden Sie eine Übersicht sowie Möglichkeiten, Zimmer direkt zu buchen. Wir empfehlen eine rechtzeitige Zimmerreservierung.

Anreise mit dem ÖPNV

Mit der Straßenbahnlinie 3 vom Hauptbahnhof in Richtung Lichtenbergschule bis Haltestelle Goethestraße. Fahrtzeit 15 Minuten.

Anreise mit dem PKW

Bitte beachten Sie, dass das Schader-Forum über keinen eigenen Parkplatz verfügt. Im Straßenraum stehen nur begrenzt Parkplätze zur Verfügung.
Eine Wegbeschreibung mit Anfahrtsskizze finden Sie hier.