Compliance auf dem Prüfstand: Wie lässt sich die Wirksamkeit von Compliance bewerten? Expertenrunde zur Zertifizierbarkeit von Compliance

Am 24. Juni hat die im Herbst 2008 gegründete ZfW Compliance Monitor GmbH Wirtschaftsprüfer, Zertifizierer, Berater, Rechtsanwälte, Wissenschaftler sowie Vertreter von Verbänden und Initiativen zu einer Expertenrunde nach Frankfurt eingeladen.

Die ZfW Compliance Monitor GmbH mit Sitz in Tübingen gehört dem Zentrum für Wirtschaftsethik des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik an. Geschäftszweck ist die Überprüfung, Auditierung und Bewertung der Wirksamkeit des Compliance Managements von Unternehmen und deren Zulieferunternehmen auf professioneller Basis.

 

Anlass der Expertenrunde war die Vorstellung des ComplianceProgramMonitorZfW (CPMZfW), einem Monitoring-Standard, der die Effizienz und Effektivität des unternehmenseigenen Compliance Managementsystems bewertet. Die Entwicklung dieses an einschlägigen Leading-Practices orientierten Monitoring-Standards erfolgte auf Grundlage des WerteMangementSystemZfW und unter Beratung führender Anwenderunternehmern. Zu den Anwendern des vorgestellten Compliance- und Wertemanagementstandards zählen u. a. der Bayerische Bauindustrieverband sowie namhafte Unternehmen wie ABB und die Fraport AG.

Der ganzheitlich orientierte Managementstandard wurde bereits in den 90er Jahren federführend von Prof. Dr. Josef Wieland unter dem Dach des Zentrums für Wirtschaftsethik (ZfW gGmbH) entwickelt und kontinuierlich an die Anforderungen der globalen Wirtschaftswelt angepasst. Er verbindet die formelle und informelle Führung eines Unternehmens auf Basis gemeinsamer Werte. Sowohl der Compliance-Monitoring als auch der Managementstandard zeichnen sich durch ein umfassendes Verständnis von guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung (Corporate Governance) aus. Unter dem Stichwort Business Conduct geht es dabei nicht um die Überprüfung der faktischen Einhaltung aller geltenden Gesetze, Regeln, und Richtlinien durch den einzelnen Mitarbeiter, sondern um die Evaluierung von deren Implementierung und der Verankerung complianceförderlicher Werte, Verhaltensstandards und Praktiken in der gelebten Geschäftskultur.

Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten die geschäftsführenden Gesellschafter der ZfW CM, Dr. Annette Kleinfeld und Dr. Clemens Müller-Störr, mit den Teilnehmern über ein entsprechend ganzheitliches Verständnis von Compliance und informierten über die Möglichkeiten von dessen qualitativem Monitoring.

Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Frage, ob sich die Compliance eines Unternehmens zertifizieren ließe. Denn – so waren sich alle dreißig Teilnehmer einig – hundertprozentige Compliance, kann weder intern noch extern festgestellt werden. Compliance hat zahlreiche Facetten und eröffnet für Unternehmen unterschiedliche Handlungs- und Anforderungsfelder. Die Einhaltung von Gesetzen, Regeln, Richtlinien und Konventionen ist abhängig von Branche, Größe und Internationalität der Unternehmen. Viel elementarer aber ist, dass Unternehmen das individuelle Handeln und Verhalten der Unternehmensmitglieder nur in begrenztem Maße steuern können. Ziel des CPMZfW ist deswegen eine umfassende Analyse, ob das Unternehmen auf struktureller, formeller und informell-kultureller Ebene alles Erforderliche getan hat, um dies zu ermöglichen und zu fördern.

Eine wichtige Rolle, so betonte Prof. Dr. Wieland bei der Vorstellung des WerteManagement­SystemZfW und des darauf basierenden ComplianceProgramMonitorZfW, spielen dabei auch die Maßstäbe zur Förderung von Compliance. Mit Blick auf die aktuellen Fälle bei deutschen Vorzeigekonzernen wie Deutsche Telekom oder Deutsche Bahn habe sich gezeigt, dass das „größte Risiko der Compliance eines Unternehmens die Compliance-Abteilung selbst werden kann“, so Wieland. WMSZfW und CPMZfW setzen deswegen bei der Gestaltung einer gemeinsamen Wertekultur an, die Handlungsmaßstäbe setzt und umsetzt, die auch an ethischen Prinzipien orientiert sind. Dort, wo es für Mitarbeiter praktisch unmöglich ist, alle Gesetze und Vorschriften zu kennen, greifen im gesamten Unternehmen geteilte Werthaltungen als informelle Steuerungsgröße.

 

Der Nutzen dieser integrativen Herangehensweise wurde auch durch die anderen Vorträge hervorgehoben. Otto Geiß referierte über die Anwendung des Standards bei der Fraport AG, Dr. Annette Kleinfeld und Dr. Clemens Müller-Störr von der ZfW Compliance Monitor GmbH berichteten über die praktische und branchenspezifische Anwendung des ComplianceProgramMonitorsZfW.

 


Ansprechpartner:
Dr. Annette Kleinfeld
Tel. 07071 - 4076727
kleinfeld@zfw-com.com
www.zfw-compliance-monitor.com

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