FIFA Skandal - "Jeder weiß, mit wem er es da zu tun hat"

Joachim Fetzer im Gespräch mit Gerd Breker am 05.06.2015

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"Jeder weiß, mit wem er es da zu tun hat" - Joachim Fetzer im Gespräch mit Gerd Breker – DLF, 05.06.2015

 

Joachim Fetzer, Vorstandsmitglied des DNWE, rechnet nicht damit, dass die Sponsoren den Druck auf die FIFA erhöhen. Wer mit der FIFA Geschäfte mache, müsse eigentlich wissen, dass er hier einem Monopolisten gegenüber stehe, sagte Fetzer im DLF: "Wer sozusagen korrupte Kulturen unterstützt, ist sowohl Täter als auch Opfer."

 

Sollte die US-Justiz beweisen können, dass die FIFA ungezügelte und systematische Korruption betreibe, hängt es von dem Wählerverhalten innerhalb der FIFA ab, ob Sepp Blatter FIFA-Präsident bleiben kann oder nicht. Die Frage, soll er dann Präsident bleiben, und hilft ein Verbleiben einer Veränderung der FIFA, beantwortet Herr Fetzer mit Skepsis: „Da fehlt mir wirklich die Fantasie, wie ein wirklicher Turnaround mit dem gleichen Führungspersonal funktionieren sollte.“

 

Kann der FIFA-Präsident denn ein glaubwürdiger Antikorruptionskämpfer sein?
Herr Fetzer: „Die wohlmeinendste Auslegung, die man in der Außenperspektive annehmen kann, wären Begriffe wie naiv oder wegsehend oder duldend.“ Weiter fragt er sich, wie ein System, auch wenn es noch so plausibel ist und wie es aufgrund der Risikoanalyse auch sein muss, existiert haben kann, ohne dass der FIFA-Präsident das als weniger wichtig erachtet hat.

 

„Gesetze, vor allem die Durchsetzung von Gesetzen (...) in entsprechenden Strafverfahren sind ein ganz wichtiger Anreiz, um Korruptionsbekämpfung zu organisieren. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass normalerweise auch Unternehmen und Organisationen, wenn sie sich denn mal ernsthaft mit der Thematik beschäftigen - das sind ja häufig nicht gern thematisierte Thematiken -, gute Gründe haben, auch selber präventiv vorzugehen. Am Ende schadet sich ja die FIFA eigentlich selber. Und auch bei vielen Unternehmen ist es so, dass man sagen muss: Wer sozusagen korrupte Kulturen unterstützt, ist sowohl Täter als auch Opfer“, meint Herr Fetzer.

 

„Und auf internationaler Ebene ist natürlich die Gefahr der Jurisdiktion, welche staatlichen Organe haben überhaupt Durchgriffsrechte, da hat Amerika natürlich eine eigene Politik. Aber die FIFA ist natürlich auch eine übernationale Organisation und muss ein Stück auch selber schauen, ihre eigenen Strukturen zu verändern. Und das ist natürlich noch ein langer Weg.“

 

Einige Sponsoren wollen ihr Sponsoring überdenken. Der Druck steigt. Er könnte allerdings stärker sein, denn es wäre fragwürdig, ob die Sponsoren Unwissende seien, die erst durch Nachrichten auf diese Idee gekommen wären.
Herr Fetzer: „Also, wer mit der FIFA Geschäfte macht, muss doch eigentlich wissen, dass er hier einen Akteur gegenüber hat, der faktisch eine Monopolstellung in einem international, emotional relevanten Sektor darstellt, der eine hohe Macht hat, der einer geringen Regulierung unterliegt. Und es wäre ja geradezu erstaunlich, wenn das sozusagen ohne Bestechungsvorgänge vonstattengehen würde. Insofern, jeder, der ein bisschen geschult ist, weiß, mit wem er es da zu tun hat.“

 

Manche Unternehmen, die die FIFA sponsern, haben sich einen Verhaltenskodex auferlegt.
Jetzt, da die Affäre öffentlich geworden ist, kann man sie nicht mehr ignorieren, schon gar nicht als Sponsor.
Herr Fetzer: „Das ist natürlich ein klassisches Dilemma, dass man da natürlich am wunden Punkt getroffen ist, weil man nach innen nicht Integrität predigen kann. Und gleichzeitig das Umfeld, in dem man unterwegs ist: Das hat natürlich immer Auswirkungen. Insofern ist das eine Dilemmasituation. Und da (…) wird jeder einzelne Sponsor aktuell die eine oder andere Krisensitzung zur Vorgehensweise haben.“

 

Doch nicht nur Sponsoren können Druck auf die FIFA ausüben. Könnten es Bürger nicht auch?
Die FIFA erzielt milliardenschwere Gewinne durch die Fernsehübertragungsrechte. Sie hat ein Monopol - die Fußballweltmeisterschaft. Diese zu boykottieren, wäre möglich und würde gewiss Folgen mit sich bringen. Ob denn auch der Großteil der Bürger und Fußballfans dahinterstehen würden, ist eher unwahrscheinlich und würde letztendlich keine große Auswirkung erzeugen.

„Es gibt ja manchmal Situationen, wenn Sie an den alten Fall der Brent Spar zurückdenken, wo dann plötzlich Shell boykottiert wurde oder so, ist immer auch die Frage, kann man Konsumentenboykotts organisieren ... So was wird an dieser Stelle relativ schwierig, weil natürlich Fußball sehen eigentlich (ein) fast alternativloses Grundnahrungsmittel ist. Die Sache, schaut euch mal nicht die Fußball-WM an, (…) wird nur einen bestimmten Teil der Fußballfans erreichen. Insofern ist da, glaube ich, die Aktionskraft von der Konsumentenseite nicht besonders schlagkräftig.“

 

Das Interview finden Sie auch zum Download hier:

 

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