Leben mit dem Restrisiko - Zum Berufsbild des (Chief) Compliance Officers

"Unternehmen Integrität" am 30.1.2014 in Frankfurt a.M.

Unternehmen Integrität 30.1.2014: Renz-Hauschka-Salvenmoser-Fetzer

Die Zahl der Anmeldungen (mehr als 60 Teilnehmer/innen) ließen das große Interesse bereits vermuten. Doch die Diskussionen der 13. Kooperationsveranstaltung „Unternehmen Integrität“ von PricewaterhouseCoopers und dnwe zeigten noch mehr: Es besteht nicht nur großes Interesse am Berufsbild des Compliance Officers, sondern auch Klärungsbedarf. Um diesem Klärungsbedarf gerecht zu werden, hatten RA CFE Steffen Salvenmoser (Partner PwC) und Prof. Dr. Joachim Fetzer (Vorstandsmitglied dnwe) zwei ausgewiesene Compliance-Experten eingeladen.

 

Zu den einleitenden Fragen von Fetzer zum Berufsbild und den Aufgabenfelder des Compliance Officers nahm zunächst Dr. Christoph Hauschka Stellung, Vorsitzender des Netzwerk Compliance mit langjähriger Erfahrung in der Industrie. Er ging dabei auf das Positionspapier des Bundes Deutscher Compliance Officer (BDCO) zum Berufsbild als das aktuell einzig relevante Basisdokument ein und konzentrierte sich auf mögliche Handlungskonflikte, die aufgrund divergierender Unternehmens- und öffentlicher Interessen für den Compliance Officer entstehen können. Am BDCO-Papier kritisierte Hauschka v.a., dass darin in Teilbereichen dem Compliance Officer Entscheidungskompetenzen zugesprochen werden, welche mit den Kompetenzen von Vorstandsmitgliedern in Einzelfällen konkurrierten oder diese sogar überstiegen. Zudem betonte er die Gefahr kommunikativer Dissonanzen zwischen Compliance Officer, Aufsichtsrat und Vorstand eines Unternehmens und vor allem sah er die Compliance-Aufgaben von Industrieunternehmen und derjenigen in der Finanzindustrie als grundverschieden an.

 

Ganz anders Hartmut Renz: Der langjährige Compliance Officer der HeLaBa und Mitautor des BDCO-Papiers, sieht Compliance in der Finanzbranche und Industrie-Compliance trotz unterschiedlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen als zunehmend konvergierend und ein gemeinsames Berufsbild im Entstehen. Im Compliance-Officer sieht er insbesondere einen Ratgeber des Vorstands, der auf Geschäftsproblematiken hinweist. Natürlich solle ein Compliance-Officer seinen Vorstand weder hinter- noch jemals übergehen, vielmehr sei ein Vertrauensverhältnis die Grundlage gelungener Compliance. Allerdings – und das ist bemerkenswert – sei Compliance nicht nur Legalitätsaspekten und einer quantifizierbaren Risikoanalyse verpflichtet, sondern auch einem Legitimitätsprinzip. Gegen Produkte, die zwar alle legalen Ansprüche erfüllten, aber nicht legitimierbar seien, gelte es eine ablehnende und abratende Haltung einzunehmen.

 

Die anschließende Diskussion wurde teilweise sehr engagiert geführt und verlief keineswegs entlang der Frontlinien Bank- versus Industriecompliance. Vielmehr zeigten die zahlreichen Beiträge aus unterschiedlichen Unternehmen, dass der Entwicklungsstand dieses Berufsstandes sehr unterschiedlich weit fortgeschritten ist.
Im Anschluss an die Veranstaltung diskutierten die Besucher, darunter Otto Geiß, der Sprecher des Forums Compliance & Integrity im ZfW sowie Andreas Fornefett und Jochen Weimer als Leitungsteam des dnwe Regionalforums Frankfurt / Rhein-Main (nicht nur) über die Beiträge. Die Veranstaltung fand im 48. Stock des Towers 185 bei pwc in Frankfurt am Main statt.

 

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Unternehmen Integrität“ ist für den 15. Oktober 2014 am gleichen Ort vorgesehen.

 

Einen Überblick über die Veranstaltungsreihe finden Sie hier.

 

Bild v.l.n.r.: Hartmut Renz, Christoph Hauschka, Steffen Salvenmoser, Joachim Fetzer

 

Präsentationen der Veranstaltung hier zum download:

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