BSCI-Jahresbericht 2010: Positive Entwicklungen bei Arbeitsbedingungen

Europäischer Einzelhandel verbucht mehr erfolgreiche Audits in Zulieferländern / „Weitere Fortschritte nötig“

Brüssel, 21.07.2011.

Die Business Social Compliance Initiative (BSCI) hat vor einigen Tagen ihren Jahresbericht 2010 herausgegeben. Demzufolge ist es gelungen, die Arbeitsbedingungen bei den auditierten Zulieferbetrieben des europäischen Einzelhandels in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern. Insbesondere die Ergebnisse der Re-Audits zeigen, dass Lieferanten vereinbarte Maßnahmen umsetzten – zu 51 Prozent sogar - mit guten Ergebnissen. Angesichts der wachsenden Mitgliederzahlen sieht sich die Initiative gut aufgestellt, in Zukunft weitere Fortschritte zu erzielen und die Einhaltung der Arbeitsnormen der International Labour Organization (ILO) bei Lieferanten durchzusetzen.

 

Anforderungen zunehmend erfüllt

Mit über 700 Mitgliedern ist die BSCI, eine Division der Foreign Trade Association (FTA), die weltweit führende Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette des Einzelhandels. Die BSCI-Mitgliedsunternehmen haben sich langfristig zur Umsetzung des BSCI-Verhaltenskodex verpflichtet. Dazu setzen sie bei ihren Lieferanten in den betreffenden Entwicklungs- und Schwellenländern Auditierungen – und nach durchgeführten Verbesserungsmaßnahmen – Re-Auditierungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen durch. Die Ergebnisse belegen eine positive Entwicklung: 2010 wurden beim Erst-Audit 28 Prozent der geprüften Produktionsstätten und landwirtschaftlichen Betriebe als „gut“ bewertet, im Jahr 2009 waren es noch 19 Prozent. Gute Noten bei den Re-Audits gab es im Berichtszeitraum für 51 Prozent der Betriebe. Die Quote ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (2009: 48 Prozent).

 

„Wichtig an den Re-Audit-Ergebnissen ist, dass die betreffenden Betriebe die gestellten Anforderungen zur Verbesserung der Arbeitssituation für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgesetzt haben“, erklärt Jan Eggert, CEO der BSCI. „Doch ungeachtet dessen wissen wir, dass weitere Fortschritte auf allen Ebenen nötig sind.“ 31 Prozent der Zulieferer wurden nach Wiederholungsaudits als „nicht-konform“ eingestuft, wenngleich sich auch dieses Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr verbesserte (2009: 34 Prozent). Der Anteil der Betriebe, die nach den Erst-Audits mit der mittleren Note „Verbesserungs maßnahmen erforderlich“ eingestuft wurden, blieb mit 18 Prozent konstant.

 

Insgesamt wurden im Berichtszeitraum mehr als 7.000 Audits durchgeführt – und damit die Arbeitssituation von mehr als 2,2 Millionen Mitarbeitern untersucht. Sieben Jahre nach Gründung der BSCI sind somit bereits mehr als 20.000 Betriebe auf die Einhaltung des BSCI-Verhaltenskodex geprüft worden. Mit der Ausweitung des Engagements auf Lebensmittel und landwirtschaftliche Primärerzeugnisse gilt es nun, auch die Arbeitsbedingungen auf Farmen, Plantagen, Kooperativen sowie in Nahrungsmittelfabriken zu verbessern.

 

Mehr Aufklärungsarbeit und Dialog

Neben Auditierungen ist Capacity Building die zweite Säule im Konzept der BSCI. Dabei erhalten die Lieferanten Schulungen, um möglichst schnell bessere Arbeitsbedingungen im Sinne der ILO-Normen umzusetzen. 2010 hat die BSCI 61 Informations- und Schulungs-Workshops für Einzelhändler und Zulieferer mit insgesamt mehr als 2.800 Teilnehmern organisiert – in 16 Ländern Europas, Asiens, Afrikas, Latein- und Südamerikas. Darüber hinaus pflegt die BSCI – als dritte Säule ihrer Aktivitäten – den Dialog mit Institutionen und Interessengruppen in den Lieferländern im Rahmen von „Runden Tischen“. Um auf bessere politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Betriebe und Beschäftigte hinzuwirken, fanden daher im Jahr 2010 insgesamt zwölf „Runde Tische“ bzw. Dialogveranstaltungen mit Stakeholdern statt.

 

Über BSCI

Die Business Social Compliance Initiative (BSCI) ist eine Initiative des europäischen Einzelhandels, deren Mitglieder sich unter anderem dazu verpflichten, auf die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO) bei ihren Zulieferern hinzuwirken. De ILO-Normen verbieten unter anderem Kinderarbeit und Diskriminierung und fordern Begrenzungen der Arbeitszeiten, geltende Mindestlöhne, Versammlungsfreiheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Einhaltung der Menschenrechte sowie viele weitere Vorgaben ein.

 

Der BSCI-Jahresbericht zum Download finden Sie hier

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