Global Health Ethics:

Neue Herausforderungen in einer vernetzten Welt

Ein Problemaufriss am Beispiel der internationalen Arzneimittelversorgung
Online Veranstaltung am 23. Februar 2022 | 10:00 – 17:00 Uhr

Arzneimittel und medizinische Produkte sind nach wie vor global höchst ungleich verteilt. Besonders schmerzlich führte uns dies die Corona-Krise vor Augen. Im dritten Jahr der Pandemie liegt die Impfquote in den ärmsten Staaten der Erde noch immer im einstelligen Bereich. Aus Global-Health-Sicht betrifft dieses Problem auch die reichsten Länder der Erde direkt; solange die Weltbevölkerung nicht durchimmunisiert ist, werden sich in regelmäßigen Abständen neue Virusmutationen herausbilden und so die Impferfolge in den Industriestaaten zunichtegemacht. ‚Global-Health-Ethics‘ setzt an dieser Erkenntnis, dass übergeordnete Gesundheitsziele in einer globalisierten Welt nur noch trans- und supranational realisiert werden können, an und unterfüttert sie mit normativen Kriterien wie dem universellen Recht auf Gesundheit oder dem Prinzip der (globalen) Gerechtigkeit.

Damit können als Voraussetzung für die Entstehung globaler Gesundheitsprobleme die Globalisierung und Vernetzung der Welt und die damit zusammenhängende Klimakrise genannt werden. Der Reflexionsgegenstand der ‚Global-Health-Ethics‘ reicht folglich vom Gesundheitswesen bis hin zum Klimaschutz und mündet in neuen Formen internationaler Kooperationen zwischen Staaten, Regierungen, NGOs und privater Akteure („Governance“). Das Wirtschaftssystem und die darin agierenden Unternehmen avancieren so zu einem wichtigen Adressaten der ‚Global-Health-Ethics‘, für die dadurch ein Dialog mit der Wirtschafts- und Unternehmensethik wesentlich wird.

Diese Tagung hatte sich zum Ziel gesetzt, im interdisziplinären Dialog zwischen Gesundheits- und Wirtschaftsethik aktuelle Probleme zur globalen Arzneimittelversorgung aufzuzeigen und bereits entwickelte Lösungsstrategien und deren Erfolgsbedingungen zu diskutieren.

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer interdisziplinären Podiumsdiskussion.

Programm

10:00 Begrüßung und Einführung

I. Global-Health-Ethics eine Bereichsethik “zwischen den Stühlen”
10:15 Global-Health-Ethik:
Zum Begriff und Inhalt einer (relativ) neuen Disziplin
Verina Wild

11:15 Gemeinwohl und Gerechtigkeit:
Zur praktischen Relevanz normativer Grundlagenbegriffe in Global Health
Walter Bruchhausen

12:15 Mittagspause/Lunch Session:
12:15-12:40 Projektpräsentation zu ethischen Verteilkriterien bei COVAX
Sophia Forster und Lina Heuberger

II. Praktische Perspektiven
13.15 Arzneimittelzugang auch für ärmere Menschen
– (wie) ist gerechter Kapitalismus möglich?
Thomas Pogge

14:15 Die politische Verantwortung vonPharmaunternehmen für den Zugang zu Impfstoffen
– eine wirtschaftsethische Perspektive
Markus Scholz

III. Podiumsdiskussion
15:45 Thema: Zwischen Kommerzialisierung und Gemeinwohl:
Welche Verantwortung kommt der Pharmaindustrie bei der Lösung globaler Gesundheitsprobleme zu?
Karl Lauterbach, Thomas Pogge, Walter Bruchhausen, Markus Scholz und Andreas Reis

16:45 Zusammenfassung und Verabschiedung

17:00 Ende der Tagung

SpeakerInnen

Prof. Dr. med. Walter Bruchhausen

Inhaber der Stiftungsprofessur
für Global-Health an der Universität Bonn

Prof. Dr. med. Walter Bruchhausen Dipl.-Theol. M.Phil. ist Stiftungsprofessor für Global Health – Social and Cultural Aspects am Institut für Hygiene und Public Health des Universitätsklinikums Bonn, Leiter des internationalen Masterstudiengangs Global Health – Risk Management & Hygiene Policies und Senior Fellow am Zentrum für Entwicklungsforschung.

Sophia Forster

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Nachwuchswissenschaftlerin im Graduiertenkolleg „Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere.“

Lina Heuberger

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Nachwuchswissenschaftlerin im Graduiertenkolleg „Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere.“

Prof. Dr. med. Dr. sc. Karl Lauterbach MdB

Bundesminister für Gesundheit

Prof. Dr. med. Dr. Sc. Lauterbach ist Leiter des Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie an der Universität zu Köln. 2005 wurde er im Zuge des Einzugs in den Bundestag beurlaubt und widmet sich seitdem der Gesundheitspolitik. Zudem ist er seit 2008 Adjunct Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Harvard School of Public Health. Seit Antritt der neuen Bundesregierung bekleidet er das Amt des Bundesministers für Gesundheit.

Prof. Dr. phil. Thomas Pogge

Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und internationale Angelegenheiten
an der Yale University (USA)

Prof. Dr. Thomas Pogge ist Professor für Philosophie und Internationale Angelegenheiten an der Yale University. Ferner ist er seit 2004 Professorial Fellow am Centre for Applied Philosophy and Public Ethics der Australian National University in Canberra, sowie seit 2007 Research Director am Centre for the Study of Mind in Nature der Universität Oslo. Er ist Mitinitiator des Health-Impact-Funds (HIF) zur Etablierung einer gerechten Arzneimittelverteilung auf der Erde.   

PD Dr. Andreas Reis, M. Sc.,
M. Sc

Leiter des Global-Health-Ethics-Teams der WHO

PD Dr. Andreas Reis, M.Sc., M. Sc. ist der Leiter des Global Health Ethics Teams der WHO in Genf, sowie externes Fakultätsmitglied am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof. Dr. phil. Markus Scholz

Inhaber der Stiftungsprofessur für Corporate Governance & Business Ethics
an der FHWien

Markus Scholz ist Gründer und Leiter des Institute for Business Ethics and Sustainable Strategy (IBES), Inhaber der Stiftungsprofessur für Corporate Governance & Business Ethics und leitet das Josef Ressel Zentrum für Collective Action und Responsible Partnerships (JR-Zentrum CARe) an der FHWien der WKW.

Prof. Dr. med. Verina Wild

Inhaberin der Professur für Ethik der Medizin an der Universität Augsburg

Frau Prof. Dr. med. Verina Wild ist seit November 2020 Inhaberin der Professur für Ethik der Medizin an der Universität Augsburg. Vorher war sie u.A. in der Institutsleitung des Instituts für Ethik in der Medizin der LMU. Sie ist Gründungsmitglied der Public-Health-Ethik AGs der Akademie für Ethik der Medizin und des Kompetenznetzes Public Health Covid-19. Seit August 2020 ist sie externe Expertin der Covid-AG der STIKO.”

Quirin Kissmehl
Geschäftsführer DNWE
+49 7531 206439
kissmehl@dnwe.de

Benjamin Roth
Wissenschaftlicher Mitarbeiter ZfG
+49 0511 1241 496
Benjamin.Roth@evlka.de

 

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