DNWE Jahrestagung 2004

Ethik für Banken und Finanzintermediäre

vom 26. bis 27. März 2004 in Seeheim-Jugenheim

Neue Situationen

Der Einfluss der internationalen Kapitalmärkte auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen. Dabei konnten die gesetzlichen Regeln und staatlich organisierten Überwachungsinstitutionen mit dieser Entwicklung nicht immer Schritt halten. Die sich in jüngster Zeit häufenden Finanzskandale haben das Vertrauen in die Integrität der Marktteilnehmer und in die Funktionsfähigkeit der staatlichen Aufsichtsorgane schwer erschüttert. Zugleich müssen sich die Finanzinstitute immer wieder mit kritischen Problemfeldern beschäftigen (z.B. Insidergeschäfte, Geldwäsche, Schwarzgelder, Holocaustgelder u.a.), die dem Image der Branche schaden und die Frage nach einem ethisch akzeptablen Verhalten aufwerfen. Angesichts dieser Situation wird der Ruf nach schärferen Gesetzen und wirksameren Kontrollen immer lauter. Banken und Finanzintermediäre versuchen, durch Selbstregulierungsaktivitäten die Notwendigkeit einer stärkeren staatlichen Regulierung des Kapitalmarkts zu kompensieren.


Neue Fragen

Es ist an der Zeit, die Möglichkeiten und Grenzen einer ethischen Orientierung der Finanzbranche genauer auszuloten. Dabei stehen folgende Fragen in Zentrum:

  • Der globale Kapitalmarkt höhlt nationalstaatliche Regelungskompetenzen aus, ohne dass supranationale Steuerungsinstrumente hinreichend wirken. Welche Spielräume hat der Gesetzgeber? Was kann durch Selbstregulation gelöst werden? Lässt sich der Kapitalmarkt so steuern, dass das Gemeinwohl gesichert wird?
  • Reagieren die Finanzinstitute auf kritische Issues wie Insidergeschäfte, Korruption, Geldwäsche und Holocaustgelder rechtzeitig und angemessen? Unrealistische Prognosen, falsche Analysen und fragwürdige Kaufempfehlungen haben zu einem massiven Vertrauensverlust geführt. Wie können die Interessenkonflikte im Investment-Banking und im Research gelöst werden?
  • Welchen Beitrag können und sollen die Finanzinstitute zur nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft leisten? Welche Bedeutung haben Green-Banking, Nachhaltigkeitsfonds und Nachhaltigkeitsanalyse? Welche Rolle sollen die Kreditinstitute in der Entwicklungsfinanzierung spielen?
  • Die Rolle der Medien im Bereich der Wirtschafts- und Finanzberichterstattung ist nicht transparent genug. Brauchen wir eine Ethik für die Finanzberichterstattung?

Die Tagung
Auf der DNWE-Jahrestagung vom 26. bis 27. März 2004 wurden diese und weitere Fragen mit ausgewiesenen Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutiert.

Hier finden Sie einen Tagungsbericht von Albert Löhr und Angelika Odziemczyk.